Kongress "Fair begegnen – Fair gestalten"

Seien Sie dabei − beim bisher größten Kongress zu Fairem Handel und Fairer öffentlicher Beschaffung! Vom 18. bis 20. September 2019 laden TransFair e.V. und Engagement Global gGmbH zur Veranstaltung „Fair begegnen – Fair gestalten. Kongress der Ideen und Taten“ ein. Der Kongress richtet sich an alle im Fairen Handel Engagierten aus Kommunen, entwicklungspolitischen Organisationen, Schulen, Universitäten sowie Unternehmen und Verbänden. Die Gäste erwartet ein vielseitiges Kongress-Programm mit spannenden Vorträgen, Diskussionen, Workshops und Coachings sowie die Möglichkeit, sich mit anderen Engagierten aus ganz Deutschland zu vernetzen. Zusätzlich können Sie am 18. September an Preisverleihung des Wettbewerbs „Hauptstadt des Fairen Handels“ teilnehmen und am Abend des 19. September das 10-jährige Jubiläum der Kampagne „Fairtrade-Towns“ feiern.

Informationen zum Kongress-Programm und der Anmeldung finden Sie unter www.fairkongress2019.de. Anmeldeschluss ist der 12. Juli 2019.

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Baustelle Welthandel auf dem Kirchentag

Auf der symbolischen "Baustelle Welthandel" informieren wir über die dringende Notwendigkeit eines Gesetzes, das Unternehmen verpflichtet, Arbeits- und Menschenrechte weltweit einzuhalten. Seit 2014 setzen das Forum Fairer Handel und der Weltladen-Dachverband sich im Rahmen der Kampagne "Mensch. Macht. Handel. Fair." dafür ein, diese eklatante Gesetzeslücke zu schließen. Vor diesem Hintergrund macht auch das große Bodenplakat der Kampagne unter dem Motto "Das gibt’s doch nicht!" auf dem Kirchentag Station. Wir freuen uns auf Ihren Besuch am Stand C27 in Halle 4. Aber Vorsicht, Sie betreten unseren "rechtsfreien Raum" auf eigene Gefahr. 

Ausführliche Informationen zur Kampagne "Mensch. Macht. Handel. Fair."

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Kaffee zu Schleuderpreisen

Während am Weltmarkt Kaffee zu historischen Tiefstpreisen verschleudert wird, versammelt sich vom 06. bis 08. Juni das "Who is who" der internationalen Kaffeebranche auf der "World of Coffee" in Berlin. Die aktuellen Preise decken laut eines Marktreports des Kaffeehändlers Volcafe bei rund 60 Prozent der Produzent*innen nicht einmal die Produktionskosten. Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Situation der Kaffeebäuerinnen und -bauern dramatisch. Noch ist das Geschäft für die großen Röster und Kaffeehändler lukrativ. Doch ihr Erfolg geht auf Kosten der Kleinbäuerinnen und -bauern sowie deren Umwelt. Das Forum Fairer Handel und TransFair (Fairtrade Deutschland) appellieren an die Kaffeebranche, weniger über Nachhaltigkeit zu reden und mehr dafür zu tun – auch im eigenen Interesse. Ein konkreter Schritt: weg mit der Kaffeesteuer für fairen und ökologischen Kaffee.

Kaffeekonzerne profitieren von Preisen unterhalb der Produktionskosten

Kurzfristig mögen die Kaffeekonzerne von niedrigen Preisen in Folge von Spekulationsgeschäften und Rekordernten in großen Anbauländern wie Brasilien oder Vietnam profitieren. Insbesondere bei Kaffeequalitäten im niedrigen Preissegment herrscht derzeit ein Überangebot. Doch wenn die Bäuerinnen und Bauern nicht bald bessere Preise und mehr Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel erhalten, stehen der Kaffeebranche düstere Zeiten bevor. "Von den aktuellen Niedrigpreisen von unter einem Dollar pro Pfund Rohkaffee können Kleinbauernfamilien nicht leben, geschweige denn dringend benötigte Investitionen tätigen", kritisiert Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel. Die Konsequenz: Junge Leute ziehen in die Städte oder verlassen ihre Heimatländer, Baumbestände überaltern. Zusätzlich werden die Staatshaushalte der Erzeugerländer mit den gesellschaftlichen und ökologischen Folgekosten des Kaffeeanbaus belastet. Denn die Kaffeebäuerinnen und -bauern  können angesichts der schlechten Bezahlung häufig nicht die Kosten für gesunde und ausreichende Ernährung, Unterbringung, die Schulbildung ihrer Kinder oder deren ärztliche Versorgung bestreiten. Zu den ökologischen Folgekosten gehört beispielsweise die Wasserverschmutzung durch Düngemittel und Pestizide. Kurz: Die Branche setzt für kurzfristigen Profit die Zukunft des Kaffeeanbaus aufs Spiel. 

Ungerechter Kaffeemarkt

Der globale Kaffeemarkt ist zutiefst ungerecht. Während eine Handvoll Kaffeekonzerne von wachsenden Gewinnen profitieren, verbleibt viel zu wenig Wertschöpfung in den Anbauländern. Das belegt die aktuelle Studie "Kaffee – eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise". Deren Zahlen für den deutschen Markt verdeutlichen die Schieflage: Die Einnahmen in den Produktionsländern sind zwischen 1994 und 2017 um zehn Prozent gesunken. Dagegen ist die Wertschöpfung bei Röstern und Händlern in Deutschland im gleichen Zeitraum um 139 Prozent, von 1,52 Milliarden Euro auf 3,63 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen. „Kaffee ist hierzulande das Lieblingsgetränk Nummer eins. Wenn wir aber zukünftig täglich Kaffee genießen möchten, müssen sich die Anbau- und  Handelsbedingungen für die Kaffeebäuerinnen und -bauern dringend verbessern“, mahnt Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender bei TransFair. "Steigende Produktionskosten, erschwerte Anbaubedingungen durch den Klimawandel und gleichzeitig sinkende Preise – die Kaffeebranche verbaut sich mit dieser Preispolitik die eigene Zukunft", sagte Overath anlässlich der World of Coffee.

Die Politik ist gefordert

Die gegenwärtige Machtverteilung entlang der konventionellen Lieferkette begünstigt die ungleiche Wertschöpfung massiv. Um das zu ändern, ist deshalb auch die Politik gefragt: "Warum sind Produkte, die auf Kosten von Mensch und Umwelt gehen, so billig? Wenn es die Politik ernst meint damit, Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, muss sie faire und ökologische Produkte begünstigen. Deswegen setzen wir uns für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee ein", erklärt Dieter Overath mit Blick auf die Bundesregierung. Damit möglichst viele Kaffeebäuerinnen und -bauern bessere Bedingungen erhalten, braucht es zudem übergreifende gesetzliche Regelungen. "Aus diesem Grund plädieren wir für eine gesetzliche unternehmerische Sorgfaltspflicht entlang der Lieferketten. Die Unternehmen müssen dafür Verantwortung übernehmen, dass ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden", erklärt Andrea Fütterer.

Der Faire Handel als Alternative

Der Faire Handel zeigt auf, wie faire und nachhaltige Lieferketten aussehen. Er verbessert die Lebensbedingungen der Kleinbäuerinnen und -bauern, indem er sie in ihrer Selbstorganisation und Professionalisierung stärkt, die Preisschwankungen am Weltmarkt durch stabile Mindestpreise abfedert und die Kooperativen zusätzlich von Prämien für Fairen Handel und ökologischen Anbau profitieren. Die Studie „Kaffee – Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise“ empfiehlt insbesondere die Kombination aus biologischem Anbau und Fairem Handel. In Deutschland sind rund drei Viertel des fair gehandelten Kaffees zusätzlich Bio-zertifiziert.

Zum Weiterlesen

Die deutsche Kurzfassung der Studie "Kaffee – Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise" Download

Die französische Originalversion wurde im Oktober 2018 vom Forschungsinstitut BASIC im Auftrag der Fair-Handels-Organisationen Commerce Equitable France und Max Havelaar France sowie dem Netzwerk "Repenser les filières" (zu Deutsch "Wertschöpfungsketten neu denken") herausgegeben.
Die Lang- und Kurzfassungen dieser Studie im Original und auf Englisch erhalten Sie hier

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Internationaler Tag des Fairen Handels 2019

Am 11. Mai ist der Internationale Tag des Fairen Handels (World Fair Trade Day). An diesem Tag macht die Fair-Handels-Bewegung global auf ihre Vision einer gerechteren Welt sowie eines Handels zum Wohle von Menschen und Umwelt aufmerksam. Mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai fordern Forum Fairer Handel, Weltladen-Dachverband und TransFair die Kandidat*innen dazu auf, Europa in der kommenden Wahlperiode zum Vorreiter für faire und nachhaltige Produktions- und Konsumbedingungen zu machen. Unternehmen, die sich bereits für Fairen Handel einsetzen, dürfen wirtschaftlich nicht im Nachteil sein. Deshalb fordern die Akteure, dass alle Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, Menschenrechte in ihren Lieferketten einzuhalten.

Unternehmerische Sorgfaltspflicht gesetzlich verankern

"Das gibt’s doch nicht!", steht unübersehbar auf einem großen Bodenplakat. Gemeint ist, dass die Bundesregierung noch kein Gesetz auf den Weg gebracht hat, das deutsche Unternehmen dazu verpflichtet, entlang ihrer gesamten Lieferkette Menschenrechte und Arbeitsstandards einzuhalten. Im Rahmen der Kampagne "Mensch. Macht. Handel. Fair." von Forum Fairer Handel und Weltladen-Dachverband geht das Bodenplakat ab dem Weltladentag am 11. Mai deutschlandweit auf Tour. Der politische Aktionstag der Weltläden findet traditionell zeitgleich mit dem World Fair Trade Day statt. Die Forderung nach einer gesetzlichen unternehmerischen Sorgfaltspflicht bringen zahlreiche Weltläden und Aktionsgruppen an diesem Tag kreativ und provokant auf die Straße und damit ins Gespräch. 

"Wir brauchen endlich ein Gesetz für Unternehmensverantwortung, das Menschenrechtsverletzungen im Ausland vermeidet und ahndet. Unverbindliche Regeln für Unternehmen reichen nicht aus, um Menschenrechte in internationalen Lieferketten effektiv zu schützen. Deswegen freuen wir uns über die Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu einem Wertschöpfungskettengesetz", sagt Anna Hirt, Kampagnenreferentin des Weltladen-Dachverbandes. Laut einer Verbraucherbefragung zum Fairen Handel 2018 stimmen 85 Prozent der Befragten der Forderung nach einer gesetzlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht zu. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer gehört nicht dazu. "Es ist skandalös und zugleich leider nicht verwunderlich, dass ein hoher Vertreter der deutschen Wirtschaft eine gesetzliche Verpflichtung, Menschenrechte entlang internationaler Lieferketten einzuhalten, als Unsinn und nicht umsetzbar bezeichnet", konstatiert Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel. Für die gesetzliche Regelung machen sich Forum Fairer Handel, Weltladen-Dachverband und TransFair gemeinsam mit vielen zivilgesellschaftlichen Akteuren stark. "Fair-Handels-Unternehmen zeigen seit mehr als vierzig Jahren, dass es möglich ist, Verantwortung für Mensch und Umwelt in internationalen Lieferketten zu übernehmen", betont Fütterer. 

Engagement für Fairen und ökologischen Handel belohnen – Kostenstrukturen ändern

"Es gibt viele Unternehmen, die sich vorbildlich für den Fairen Handel engagieren. Sie dürfen wirtschaftlich nicht den Kürzeren ziehen. Deshalb wollen wir beispielsweise, dass die Kaffeesteuer für fairen und ökologischen Kaffee entfällt. Auf der anderen Seite sollten Unternehmen die Kosten tragen, die sie in den Anbauländern durch Preisdumping, Umweltzerstörung und Ausbeutung verursachen. Das würde die Kostenstruktur umkehren und faire Produkte deutlich preiswerter machen", betont Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender bei TransFair.

Mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai 2019 fordern das Forum Fairer Handel, Weltladen-Dachverband und TransFair gemeinsam mit ihren europäischen Partnern vom Fair Trade Advocacy Office in Brüssel die zukünftigen Mitglieder des Europaparlamentes dazu auf, die EU-Politik bis 2024 fair und nachhaltig zu gestalten. Neben verbindlichen Regeln zur Durchsetzung von Menschenrechten in internationalen Lieferketten bräuchte es für diesen Transformationsprozess eine Neuausrichtung der EU-Landwirtschaftspolitik. Das Bündnis fordert eine Förderung von bäuerlicher und ökologischer Landwirtschaft, einen ambitionierten Klimaschutz, eine nachhaltige und faire öffentliche Beschaffung sowie eine Handelspolitik, die soziale und ökologische Aspekte in den Mittelpunkt stellt, Menschenrechte durchsetzt und demokratisch ausgehandelt wird.

Weitere Informationen

In Deutschland ist der World Fair Trade Day zugleich Weltladentag. Ihren nächsten Weltladen finden Sie auf der Website des Weltladen-Dachverband.

Die Kampagne "Mensch. Macht. Handel. Fair." von Forum Fairer Handel und Weltladen-Dachverband macht seit 2014 auf die Notwendigkeit aufmerksam, dass Arbeits- und Menschenrechte weltweit durch ein Gesetz geschützt werden müssen. Vom Weltladentag bis zur Fairen Woche im September reist ein großes Bodenplakat durch Deutschland, begleitet von Aktionen in zehn verschiedenen Städten. Den Abschluss bildet eine Aktion in Berlin im Herbst. Mehr Informationen zur Kampagne "Mensch. Macht. Handel. Fair."

"The Fair Times" ist eine europaweite Kampagne des Fair Trade Advocacy Office zur Europawahl am 26. Mai und wird in Deutschland u.a. von TransFair, Weltladen-Dachverband und Forum Fairer Handel unterstützt. Zentrales Element ist eine fiktive Zeitung aus dem Jahr 2024. Zur Web-Zeitschrift "The Fair Times"

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Forum Fairer Handel fordert, Unternehmen in die Pflicht zu nehmen

Am 24. April jährt sich die Katastrophe von Rana Plaza zum sechsten Mal. Aus diesem Anlass fordert Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel, die Bundesregierung mit Nachdruck dazu auf, verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflichten für deutsche Unternehmen entlang ihrer
gesamten Lieferkette per Gesetz festzuschreiben:

"Auch wenn seit dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza einige Initiativen, wie etwa das Textilbündnis, in Deutschland angestoßen wurden, bleiben die Arbeits- und Produktionsbedingungen in der Mode- und Textilindustrie insgesamt ungenügend. Damit Menschenrechte in internationalen Lieferketten nachhaltig und umfassend eingehalten werden, braucht es verbindliche Regeln für Unternehmen. Die Abweisung der Klage von pakistanischen Angehörigen und Überlebenden eines Brands in einer Zulieferfabrik des deutschen Textilunternehmen KiK durch das Landgericht Dortmund am 10. Januar 2019 verdeutlicht, dass es eine Regulierungslücke in Deutschland gibt. Deutsche Unternehmen haben die Verantwortung, Menschenrechte in ihren Lieferketten zu achten und müssen dafür haftbar gemacht werden, wenn sie vorhersehbare und vermeidbare Schäden in ihren Produktionsketten nicht beheben. Es ist skandalös, dass Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer eine gesetzliche Regelung als ‚Unsinn‘ bezeichnet. Die Einhaltung von Menschenrechten ist kein Unsinn, sondern sollte selbstverständlich sein. Fair-Handels-Unternehmen zeigen seit mehr als vierzig Jahren, dass es möglich ist, Verantwortung für Mensch und Umwelt in internationalen Lieferketten zu übernehmen.

Damit die Missachtung von Menschenrechten im Ausland nicht weiter straffrei bleibt, fordern wir von der Bundesregierung ein Gesetz, dass deutsche Unternehmen dazu verpflichtet, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht entlang ihrer gesamten Lieferkette nachzukommen."

Hintergrund

Am 24. April 2013 starben bei dem bisher größten Unfall in der internationalen Textilindustrie mehr als eintausend Menschen. "Rana Plaza" ist in der öffentlichen Wahrnehmung zum Synonym für eine Mode- und Textilwirtschaft geworden, die auf Kosten von Menschenrechten und der Umwelt immer schneller immer günstigere Kleidung herstellt. Gleichzeitig hat das Unglück viele Menschen für die schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sensibilisiert. Die Nachfrage nach fairer und ökologischer

Mehr Informationen

Anlässlich des fünften Jahrestages der Katastrophe von Rana Plaza in 2018 hat das Forum
Fairer Handel die Broschüre "Fokus faire und ökologische Kleidung" herausgegeben. Die
Broschüre gibt einen Überblick zum Thema Kleidung aus Fair-Handels-Sicht.

Broschüre "Fokus faire und ökologische Kleidung" Download

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Mehr Fairness in Handelsketten

Der EU-Ministerrat stimmte am 09. April bei seinem Treffen in Luxemburg formell der neuen Richtlinie zum Verbot unfairer Handelspraktiken zu. Damit ist die letzte Hürde für EU-weite Regeln genommen, die Produzenten*innen – auch im globalen Süden – gegen unfaire Handelspraktiken europäischer Unternehmen schützen und für mehr Fairness im Lebensmittelhandel sorgen.

Was bisher geschah

Die neue EU-Richtlinie verbietet bestimmte Handelspraktiken, wie verspätete Zahlungen für verderbliche Lebensmittelerzeugnisse, Last-Minute-Auftragsstornierungen oder rückwirkende Vertragsänderungen. Diese Praktiken sind weit verbreitet, aber bisher schwer nachzuweisen. Produzent*innen und Zulieferer fürchten von ihren Käufern ausgelistet zu werden, wenn sie sich über solche Praktiken öffentlich beschweren würden. Das führt zu einem Klima der Angst. Gerade in einem sich stetig konzentrierenden Sektor kann eine Auslistung den Zugang zu den Konsumentinnen und Konsumenten und damit die ökonomische Existenz bedrohen – besonders für die Produzent*innen im Süden ohne soziale Sicherungssysteme. Für diese sind die Machtungleichgewichte mit den europäischen Firmen besonders stark, weshalb es sehr wichtig ist, dass die neue Regulierung auch eine Möglichkeit bereithält, dass Nichtregierungsorganisation (NROs) im Namen von Produzent*innen Beschwerden einlegen können.

Für diese Möglichkeit und überhaupt die Erweiterung des Gesetzesschutzes auch auf nicht-EU-Produzenten*innen wurde über Jahre hinweg von einer breiten Koalition auf europäischer Ebene gestritten. Koordiniert wurden die Aktivitäten durch das von Fairtrade und der Welt-Fair-Handels-Organisation WFTO ins Leben gerufene Fair Trade Advocacy Office (FTAO), Traidcraft, Oxfam International, Stichting Onderzoek Multinationale Ondernemingen (SOMO), der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM-EU) und Feedback UK.
In Deutschland hat sich TransFair zusammen mit dem Forum Fairer Handel und Oxfam Deutschland für diese Regelung eingesetzt und die Koalition unterstützt.

Ergänzende Wege zu fairem Handel

Der langjährige Einsatz für diese Richtlinie zeigt, wie Fair-Handels-Organisationen daran arbeiten, mit komplementären Methoden Handel fairer zu machen: Mit  einem Angebot von fairen Waren, die zeigen, dass fairer Handel möglich ist, mit Kampagnen- und Bildungsarbeit, ebenso wie mit dem politischen Einsatz für gesetzliche Regeln, die unfaires Handeln verbieten.

Nächste Schritte

Nun ist die deutsche Bundesregierung gefordert, diese Richtlinie adäquat in deutsches Recht umzusetzen, damit Produzent*innen im Süden effektiv vor unfairen Handelspraktiken deutscher Importeure geschützt werden. Insbesondere sollten dabei die Interessen kleinbäuerlicher Produzentengruppen weltweit berücksichtigt werden.

Europawahl wichtig für faireren Handel

Für die Verbesserung des Gesetzesschutzes für Produzent*innen im Süden war das Europaparlament zentral. Dies zeigt die Bedeutung dieser Institution für nachhaltige Handelsregeln. Deshalb ist aus Sicht von TransFair und Forum Fairer Handel die kommende Europawahl so wichtig.

Wie Sie sich engagieren können, um das nächste Parlament noch fairer zu machen, können Sie hier nachlesen.

Weiterführende Informationen

Meinungsartikel in Euractiv von Oxfam International

Detaillierte Analyse der neuen Richtlinie von Traidcraft (in Englisch)

 

 

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Haushalt 2020: Bundesregierung verweigert Verantwortung für globale Nachhaltigkeitsziele

Der Öko-Verband Naturland und das Forum Fairer Handel kritisieren die geplanten Kürzungen im Haushalt des Entwicklungsministeriums als kurzsichtig. Damit werde die Glaubwürdigkeit des entwicklungspolitischen Engagements der Bundesregierung massiv beschädigt.

"Die Bundesregierung hat sich auf die Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030 verpflichtet. Dafür braucht es eine ambitionierte Entwicklungszusammenarbeit, die sich auch den Folgen der Klimakatastrophe stellt. Dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz nun ausgerechnet hier den Rotstift ansetzt, zeigt, dass er offensichtlich nicht verstanden hat, worum es geht", sagte Steffen Reese, Geschäftsführer des Öko-Verbands Naturland und Mitglied im Vorstand des Forums Fairer Handel, am Donnerstag in Gräfelfing.

Der Geschäftsführer des Forums Fairer Handel, Manuel Blendin wies darauf hin, dass die am Mittwoch im Bundeskabinett beschlossenen Eckwerte die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag in doppelter Hinsicht verletzen: "Vorgesehen war, dass die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und Verteidigung künftig immer eins zu eins steigen sollten. Wenn nun der Entwicklungsetat stagniert und künftig sogar schrumpft, rückt das selbst gesteckte Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonational-Einkommens für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben, in weite Ferne. Damit weigert sich Deutschland seinen fairen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der Welt zu leisten."

Haushalt gefährdet positive Ansätze des BMZ

Zudem gefährden die aktuellen Haushaltsplanungen der Bundesregierung die bereits bestehenden positiven Ansätze des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). "Es gibt viele hoffnungsvolle Ansätze", betonte Naturland Geschäftsführer Reese und nannte als Beispiele die Förderung des Öko-Landbaus in den Grünen Innovationszentren im Rahmen der Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger", die Pläne zur Einrichtung von Öko-Wissenszentren in Afrika oder die Förderung des Fairen Handels.

Reese und Blendin forderten deshalb dringend notwendige Nachbesserungen am Haushalt: "Die Bundesregierung hat bislang bereits ihre Klimaziele und auch die innerhalb der UNO vereinbarten 0,7 Prozent Quote bei der Entwicklungszusammenarbeit verfehlt. Sie muss jetzt endlich ihre Verantwortung zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele übernehmen", betonten beide.

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Keine nachhaltige Entwicklung ohne Gleichberechtigung von Frauen

Obwohl Frauen weltweit den Großteil der Erwerbs- und Reproduktionsarbeit leisten, werden sie in vielen Bereichen immer noch strukturell benachteiligt. Sie bekommen für die gleiche Arbeit weniger Lohn als Männer und sind seltener in Führungspositionen vertreten. Außerdem haben Frauen und Mädchen oft keinen Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Bildung, Land, Krediten oder einem eigenen Einkommen. Damit sind sie stärker von Armut betroffen und können ihre Potenziale oft nicht entfalten. Anlässlich des Weltfrauentages am 08. März betont das Forum Fairer Handel den emanzipatorischen Anspruch der Fair-Handels-Bewegung und zeigt, wie faire Geschäftsmodelle Frauen in der Praxis stärken. So erreichen Frauen, die in Fair-Handels-Unternehmen tätig sind, mit einer viermal so hohen Wahrscheinlichkeit eine Position in der obersten Führungsebene wie in konventionellen Unternehmen.

Keine nachhaltige Entwicklung ohne Gleichberechtigung der Geschlechter

Mit dem fünften Nachhaltigen Entwicklungsziel (SDG 5) der Vereinten Nationen hat sich die internationale Staatengemeinschaft vorgenommen, die ungleiche Behandlung der Geschlechter zu beenden. "Obwohl es auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene Regelungen zur Gleichbehandlung der Geschlechter gibt, besteht immer noch eine große Lücke zwischen Gesetzen und alltäglicher Praxis", stellt Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel, fest. Das gilt im Übrigen auch für Deutschland. "Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist jedoch notwendig für ein friedvolles Miteinander und eine nachhaltige Entwicklung", unterstreicht Fütterer. Die Stärkung von Frauen kommt auch der Gemeinschaft zugute, denn sie investieren ihr Einkommen vermehrt in Bildung, soziale Aktivitäten und Gesundheit. 

Ungleiche Machtverhältnisse in Lieferketten gehen auf Kosten der Frauen

Die ungleiche Machtverteilung in Lieferketten untergräbt das Recht von Produzent*innen und Arbeiter*innen auf würdige Arbeitsbedingungen sowie faire und gleiche Bezahlung. Das betrifft insbesondere Frauen. "Am Anfang jeder konventionellen Lieferkette – im Handwerk wie auch in der Landwirtschaft – stehen gesellschaftlich schwächer gestellte Frauen. Sie sind es, die die Folgen der Preiskämpfe zwischen Einzelhandelskonzernen und unseres Billigkonsums tragen", erklärt Fütterer. Fair-Handels-Organisationen tragen dazu bei, das Bewusstsein für diese Ungerechtigkeit zu schärfen, diese Frauen zu stärken und ihnen eine Stimme zu geben.  

Gleichberechtigung von Frauen als Grundsatz des Fairen Handels

Die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen zählt zu den international definierten Grundsätzen des Fairen Handels. Fair-Handels-Organisationen lehnen Geschlechterdiskriminierung ab und setzen sich aktiv für eine Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Im Fairen Handel bekommen Frauen Zugang zu Bildung, einen gerechten Lohn für ihre Arbeit, werden in Entscheidungsprozesse einbezogen und bei der Entfaltung ihrer Potenziale gefördert. Sie werden darin bestärkt, ihre Rechte wahrzunehmen und haben damit die Möglichkeit, sich auch in Gesellschaft und Politik einzumischen.

Faire Geschäftsmodelle stärken Frauen

Mit welchen Instrumenten dies geschieht, beschreibt ein aktueller Bericht der World Fair Trade Organization (WFTO) unter der Überschrift "Geschäftsmodelle, die Frauen stärken", dessen deutsche Fassung das Forum Fairer Handel am 08. März veröffentlicht. Dieser zeigt, dass Frauen in Fair-Handels-Organisationen deutlich mehr Chancen haben, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, mit dem sie ein würdiges und selbstbestimmtes Leben führen können. "Ich habe hier gesehen, dass Frauen auf allen Ebenen arbeiten – als Vorgesetzte, Designerinnen und Produktionsleiterinnen. Früher wurde mir weis gemacht, dass eine Frau nichts erreichen könne. (…) Jetzt kann ich genug für mich und meine Tochter verdienen und sogar noch meine Eltern finanziell unterstützen", berichtet Rinku Mishra, Mitarbeiterin des Fair-Handels-Unternehmens Creative Handicrafts in Indien. "Mein Selbstbewusstsein als Frau wächst. Wir haben hier regelmäßige Fortbildungen zu Themen wie Gleichberechtigung und geschlechtsbezogener Gewalt. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, an einem Ort zu sein, wo man mich versteht", so Rinku Mishra weiter. Creative Handicrafts ist nur eines von vielen Fair-Handels-Unternehmen, die vorbildliche Arbeit für die Gleichberechtigung von Frauen leisten.

Fairer Handel fördert Frauen in Führungspositionen

"Frauen, die für ein Fair-Handels-Unternehmen tätig sind, erreichen mit viermal so hoher Wahrscheinlichkeit eine Position in der obersten Führungsebene wie Frauen, die für konventionelle Unternehmen arbeiten. Mehr noch, in einem Fair-Handels-Unternehmen beschäftigte Frauen erhalten Anerkennung, ihre Rechte werden respektiert, sie sind sichtbar und werden gehört", erklärt Andrea Fütterer. 

Für eine gleichberechtigte Gemeinschaft sind aber Bemühungen sowohl auf der wirtschaftlichen als auch auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene notwendig. Um die Bedeutung der Geschlechtergerechtigkeit im Fairen Handel zu beleuchten, befasst sich die Faire Woche vom 13. bis 27. September 2019 schwerpunktmäßig mit diesem Thema. 

Als Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) schließt sich das Forum Fairer Handel deren Forderungen in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Gleichbehandlung an: 

  • Stereotypenbildung in der Erziehung vermeiden: Kinder sollten zu gleichberechtigten Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden. Sie sollten aufgrund ihres Geschlechts nicht unterschiedlich gefördert werden oder Privilegien erhalten. Eltern sollten als Vorbilder dienen und bestehende Rollenbilder hinterfragen.
  • Rollenbilder in Schulbüchern ändern: Anhand von Unterrichtsmaterialien lernen Kinder unterschiedliche Berufsbilder kennen. Entsprechend sollten Frauen deshalb in Unterrichtsmaterialien nicht nur in traditionellen Rollenbildern dargestellt werden, sondern beispielsweise auch in Führungspositionen. Ebenso sollten Männer nicht nur in der klassischen Rolle als Versorger, sondern auch bei der Haus- und Familienarbeit dargestellt werden, damit eine Vielfalt an unterschiedlichen Rollenbildern den Kindern als Vorbild dienen. In der Geschichtsdarstellung fehlen einflussreiche Frauen als Vorbilder für Schüler*innen, obwohl es viele inspirierende Beispiele gibt.
  • Anzahl von Frauen in der Politik und in Unternehmensvorständen erhöhen: Noch immer entspricht der Anteil von Frauen in der Politik und den Führungsebenen von Unternehmen bei weitem nicht deren Anteil in der Gesellschaft. Frauen sollten deswegen paritätisch in Parlamenten, Gemeinderäten und Unternehmensvorständen vertreten sein. 
  • Patriarchale Strukturen aufbrechen: Die Diskriminierung von Frauen wird häufig durch soziale Normen und Traditionen begünstigt. Diese stehen häufig über den Gesetzen und führen unter anderem dazu, dass Frauen ihr Erbe verwehrt bleibt, wenn männliche Angehörige sterben. Bewusstseinstrainings für Frauen stärken diese darin, ihre Rechte zu kennen und sie einzufordern. Außerdem sollten Männer ebenso für die Rechte von Frauen sensibilisiert werden. Regierungen sollten mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Fair-Handels-Unternehmen zusammenarbeiten, um gegen überkommene Strukturen zu sensibilisieren. 
  • Ungleiche Machtverteilung in Lieferketten: Die ungleiche Machtverteilung in Lieferketten untergräbt das Recht von Produzent*innen und Arbeiter*innen auf würdige Arbeitsbedingungen sowie faire und gleiche Bezahlung. Das betrifft insbesondere Frauen. Um dem entgegenzuwirken, müssen die Kontrollen entlang landwirtschaftlicher Lieferketten und in Fabriken per Gesetz intensiviert werden. Gegen Betriebe, die Gesetze missachten, sollten empfindliche Bußgelder verhängt werden und diejenigen belohnt werden, die mit gutem Beispiel vorangehen. Zudem müssen international agierende Unternehmen für Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrechten entlang ihrer gesamten Lieferketten haftbar gemacht werden.
  • Gesetzliche Rahmenbedingungen für den informellen Sektor schaffen: Weltweit arbeiten 75 % der Frauen in informellen Beschäftigungen (außerhalb der Landwirtschaft). Dort verfügen sie weder über eine soziale Absicherung noch haben sie Rechte. Am Anfang jeder Lieferkette – im Handwerk wie auch in der Landwirtschaft – stehen gesellschaftlich schwächer gestellte Frauen, die die Folgen von Billigprodukten und Preiskämpfen tragen. Fair-Handels-Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen können dabei helfen, diese Frauen sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben. 
  • Anwenden von Fair Trade Grundsätzen: Die 10 Prinzipien des Fairen Handels der WFTO sollten allen Unternehmen und staatlichen Instanzen als Rahmen für verantwortungsvolles Wirtschaften dienen. Der Faire Handel beseitigt Ungerechtigkeiten in den Lieferketten. Das öffentliche Bewusstsein dafür sollte weiter gefördert werden. 

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