Tag der Menschenrechte: 42 Unternehmen fordern Lieferkettengesetz

Die Unterstützung für ein Lieferkettengesetz in Deutschland wächst: Vor dem morgigen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember haben sich 42 deutsche Unternehmen für ein solches Gesetz ausgesprochen – darunter auch die Mitglieder des Forum Fairer Handel Dr. Bronner’s, El Puente – The Fair Trade Company, GEPA – The Fair Trade Company, GLOBO – Fair Trade Partner und WeltPartner. Die beiden Regierungsparteien CDU und SPD haben auf ihren Parteitagen Beschlüsse für ein Lieferkettengesetz gefasst. Und auch zentrale Gremien und Würdenträger der beiden großen Volkskirchen fordern einen gesetzlichen Rahmen. Ein Lieferkettengesetz würde deutsche Unternehmen dazu verpflichten, sich in ihren globalen Geschäften an umwelt- und menschenrechtliche Standards zu halten. Bundesarbeitsminister Heil hatte heute im Spiegel angekündigt, einen entsprechenden Gesetzesentwurf mit "klaren Haftungsregeln" zu erarbeiten.

"Unternehmen, Kirchen, Parteien – die vielen Rufe nach einem Lieferkettengesetz sind unüberhörbar! Wir begrüßen die Ankündigung von Minister Heil, der nun Taten folgen müssen. Denn längst ist klar: Ohne ein Gesetz tun die Unternehmen zu wenig für Umwelt und Menschenrechte", kommentiert Johanna Kusch, Sprecherin der "Initiative Lieferkettengesetz". Die Initiative eint 82 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften. Im September 2019 haben sie sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen.

In einer heute vom Business and Human Rights Resource Centre veröffentlichten Stellungnahme sprechen sich 42 deutsche Unternehmen für ein Lieferkettengesetz aus. In der Liste finden sich bekannte Namen wie Tchibo, Ritter Sport, Nestlé Deutschland und Hapag Lloyd. "Die großen Arbeitgeberverbände können mit ihrer ablehnenden Haltung längst nicht mehr für sich beanspruchen, die Interessen der Wirtschaft zu vertreten. Bei vielen Unternehmen wächst die Überzeugung, dass nur ein gesetzlicher Rahmen Wettbewerbsgleichheit schafft", sagt Johannes Schorling von der Entwicklungsorganisation INKOTA. "Unternehmen, die sich für die Achtung der Menschenrechte und den Umweltschutz engagieren, dürfen gegenüber der verantwortungslosen Konkurrenz nicht länger benachteiligt werden."

Auf ihren Parteitagen haben sich die Regierungsparteien hinter eine gesetzliche Regelung gestellt. "Wir begrüßen es sehr, dass nun sowohl SPD als auch CDU für ein Lieferkettengesetz eintreten", sagt Cornelia Heydenreich von Germanwatch. Bemerkenswert sei an beiden Parteitagsbeschlüssen, dass das Monitoring im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte nicht mehr die Entscheidungsgrundlage für ein Gesetz darstelle, sondern lediglich "Erkenntnisse" liefern soll. "Die aktuelle Unternehmens-Befragung der Bundesregierung scheint erneut zu bestätigen, dass Unternehmen freiwillig nicht genug tun. Wir fordern die Bundesregierung auf, nun zügig ein Gesetz auszuarbeiten", so Heydenreich weiter. Arbeitsminister Heil hatte heute dem Spiegel gegenüber gesagt, die Ergebnisse der Unternehmensbefragung seien "ernüchternd".

Auch aus den Kirchen wird die Forderung nach verbindlichen Regeln lauter. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat sich kürzlich in seiner Vollversammlung für ein Lieferkettengesetz ausgesprochen, die Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen einen eigenen Beschluss zum Thema gefasst. "Der Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende setzen: Für viele Christinnen und Christen bedeutet dieser Auftrag, sich für Rahmenbedingungen einzusetzen, die die Wirtschaft in den Dienst des Lebens stellen", berichtet Eva-Maria Reinwald vom SÜDWIND-Institut für Ökonomie und Ökumene.

Die Initiative Lieferkettengesetz tritt dafür ein, dass Unternehmen Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten vermeiden und fordert hierzu von der Bundesregierung die Schaffung eines gesetzlichen Rahmens. Mehr zur Intitiave Lieferkettengesetz erfahren

Weiterführende Informationen:

Die Stellungnahme der 42 Unternehmen für ein Lieferkettengesetz
Beschluss des CDU-Parteitags
Beschluss des SPD-Parteitags

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Kein gutes Klima ohne Handelsgerechtigkeit

Im Vorfeld des Klimagipfels fordert die internationale Fair-Handels-Bewegung die Delegierten der Weltkonferenz auf, die Grundsätze und Praktiken des Fairen Handels als entscheidenden Bestandteil von Klimaschutz- und Anpassungsstrategien anzuerkennen.

Angesichts von Dürren, Überschwemmungen und unvorhersehbaren Wettermustern sind immer mehr Kleinbäuer*innen gezwungen, ihre Felder zu verlassen, in die Städte zu ziehen oder gar auszuwandern. Millionen Menschen können womöglich ihre Ernährung nicht mehr sichern. Damit sind auch der weltweite Frieden und die Ziele für nachhaltige Entwicklung in Gefahr. Die Klimakrise wird voraussichtlich bis 2030 mehr als 100 Millionen Menschen in den so genannten Entwicklungsländern unter die Armutsgrenze drängen. Ohne rigorose Anpassungsmaßnahmen könnte die globale Erwärmung die landwirtschaftlichen Erträge bis 2050 weltweit um bis zu 30 Prozent verringern, was mehr als 500 Millionen kleine Agrarbetriebe auf der ganzen Welt betreffen würde.

"Hierzulande spüren wir den Klimawandel durch heiße Sommer und Starkregen. Für Kleinbauernfamilien im Globalen Süden sind klimabedingte Ernteeinbußen eine Existenzbedrohung. Hinzu kommen niedrige Weltmarktpreise", sagt Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland). "Ein gutes Klima braucht globale Gerechtigkeit. Dies geht nur durch gemeinsames Engagement von Wirtschaft, Politik und Konsumenten."

Daher fordert die Fair-Handels-Bewegung dringend ambitionierte und verbindliche Maßnahmen zum Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel – im Sinne der Menschen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Die Akteure der Fair-Handels-Bewegung warnen, dass die unfairen Handelspraktiken und Geschäftsmodelle die Klimakrise sehr stark beschleunigen. Sie opfern das Wohl von Mensch und Erde dem Gewinnstreben.

„Die traurige Wahrheit der Klimakrise ist, dass die Zeche die Menschen zahlen, die am wenigsten dazu beigetragen haben – marginalisierte Bevölkerungsgruppen und Kleinproduzent*innen weltweit. Um Klimagerechtigkeit zu erreichen, müssen wir die globalen Handels- und Geschäftsmodelle radikal ändern. Faire Handelspraktiken müssen ein integraler Teil von Klimapolitik werden!“, fordert Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel und Abteilungsleiterin Grundsatz und Politik bei der GEPA.  

Transparente Lieferketten, eine gleichmäßige Macht- und Wertschöpfungsverteilung unter den beteiligten Akteuren und die Einhaltung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht durch Unternehmen sind entscheidende Faktoren, um Kleinbäuer*innen widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Darüber hinaus sind kostendeckende Preise für deren Agrarerzeugnisse, technische Unterstützung und ein besserer Zugang zu Krediten und Finanzmitteln erforderlich, damit die Kleinproduzent*innen in Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen investieren können.

"Kleinproduzent*innen sollten Zugang zu milliardenschweren Klimafonds wie dem ‚Green Climate Fonds‘ bekommen. Vergabekriterien sollten so formuliert werden, dass Kleinproduzent*innen einfacher finanzielle Mittel erhalten und diese unbürokratisch verwalten können", fordert Andrea Fütterer.

Der Faire Handel bietet konkrete Instrumente und langjährige Erfahrung, um Kleinbäuer*innen und marginalisierte Produzent*innen im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Er ist daher ein wichtiger Partner, um die Klimakrise gemeinsam zu bewältigen. Dennoch bedeutet das schiere Ausmaß der Krise, dass Freiwilligkeit alleine nicht ausreicht, um den Klimawandel abzuwenden. Globale Gerechtigkeit und nachhaltige Anbaumethoden müssen verbindlich für alle sein, so der dringende Appell der Fair-Handels-Bewegung an die Delegierten im Rahmen der COP 25.

Weitere Informationen

Positionspapier "Klimaschutz braucht Handelsgerechtigkeit" | Download

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Alles unter einem Dach

In Würzburg hat sich im März der Verein Zukunftshaus gegründet. Er hat den Fairen Handel weitergedacht und ein Konzept entwickelt, wie Leihen, Kaufen, Tauschen, Reparatur und Co-Working in einem Haus zusammenkommen können, um nachhaltigen Konsum alltagstauglich werden zu lassen. Matthias Pieper aus dem Verein erläutert die Idee:

"Geht es Ihnen auch so? Sie wissen um die Auswirkungen unseres Lebensstils des ‚immer mehr und immer weiter‘, schaffen es aber im Alltag nur bedingt, wirklich nachhaltig zu konsumieren? Denn viele Angebote eines anderen, sozial-ökologischen Konsummodells stehen nur als verstreute Insellösungen zur Verfügung, deren Nutzung viel Zeit und Wissen in Anspruch nimmt – eine temporäre Tauschaktion, ein einzelner Welt- oder Unverpackt-Laden, verstreute Leihangebote, ein halbjährlich stattfindendes Repair-Café…

Der Faire Handel beispielsweise bietet richtige Antworten auf einen außer Kontrolle geratenen, nur gewinnorientierten Welthandel, der die knappen Ressourcen und die Gesundheit der Menschen bedroht. Aber der Faire Handel alleine ist nicht die Lösung, sondern ein wichtiger Teil davon.

Das zu erkennen, bedeutet sich zu öffnen gegenüber anderen Bewegungen, fair und regional, kaufen und tauschen zusammen zu denken. Es bedeutet, seine Insel zu verlassen und sich mit anderen Anbietern nachhaltiger Konsummöglichkeiten zusammenzuschließen. Dadurch entstehen wertvolle Synergien: für Anbieter*innen, Kund*innen und die Umwelt. Solche Netzwerke und Kooperationen gibt es bereits seit vielen Jahren und Weltläden waren und sind hier häufig der Initiator. Es sind aber fast immer ideelle Kooperationen bei Veranstaltungen oder bei der Arbeit in lokalen Eine-Welt- oder Nachhaltigkeitsgruppen. Ein physisches Zusammenkommen unter einem Dach findet (noch) nicht statt. Dabei können Schritte in diese Richtung nicht nur ein wichtiger Baustein für die ’sozial-ökologische Transformation‘ sein, sie können den Weltläden auch helfen, ihr ‚Nachwuchsproblem‘ zu lösen, denn viele junge Menschen engagieren sich für die Umsetzung von Postwachstumsideen.

Wie kann dieses Zusammenkommen gelingen? Der Verein Zukunftshaus hat ein Konzept entwickelt, wie die Bereiche Leihen, Kaufen, Tauschen, Reparatur, Co-Working und Gastronomie in einer Immobilie zusammenkommen können, um nachhaltigen Konsum alltagstauglich werden zu lassen. Dazu kooperiert er mit vielen Partnern aus der Region, welche die Idee unterstützen und sich zum Teil bereiterklären, einzelne Bereiche in dem geplanten Zukunftshaus zu übernehmen.

Beispiel: Beim Kaufen übernimmt ein Partner den Bereich mit unverpackten Lebensmitteln oder fairer Kleidung. Die Bereiche Leihen, Reparatur und Gastronomie stoßen auf großes Interesse bei Sozialwerken und Werkstätten, die gute Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter*iInnen suchen. Das Zukunftshaus selbst soll dann als gemeinnützige GmbH geführt und Gesellschafter des Vereins werden."

Mehr Informationen zum Projekt Zukunftshaus

Um die Umsetzung vom Konzept zum Haus zu schaffen, wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die noch bis zum 30. Oktober läuft.

Darüber hinaus wird der Verein die Erfahrungen im Rahmen des Gründungsprozesses als "Leitfaden zum Zukunftshaus" allen Interessierten zur Verfügung stellen. Alle Informationen finden Sie auf der Website des Vereins.

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Aufruf zu bundesweiten Aktionstagen am 29./30. November

Am 10. September startete die Initiative Lieferkettengesetz mit einer gemeinsamen Forderung: Wir brauchen einen gesetzlichen Rahmen in Deutschland, um die Ausbeutung von Menschen und Umwelt in weltweiten Lieferketten zu beenden. Damit Politiker*innen sich endlich für ein solches Gesetz einsetzen, brauchen wir Eure Unterstützung!

Am 29. November beginnt mit dem sogenannten "Black Friday", dem Schnäppchentag des Jahres, das Weihnachtsgeschäft. Damit Unternehmen nicht mit billigen Preisen den Druck auf Arbeiter*innen weiter erhöhen, fordern wir ein Lieferkettengesetz für wirksamen Umweltschutz und die Achtung von Menschenrechten durch Unternehmen im Ausland.

Lasst uns zum Auftakt des Weihnachtsgeschäfts überall in Deutschland mit vielfältigen Aktionen zeigen, dass wir dringend ein Lieferkettengesetz brauchen – mit Straßenaktionen, auf Gemeindefesten oder bei Veranstaltungen.  

Die Initiative Lieferkettengesetz ruft für Freitag, den 29. November und Samstag, den 30. November 2019 zu dezentralen Aktionen auf! Wir fordern: Unternehmen, die Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten verursachen oder in Kauf nehmen, sollen dafür haften!

Wenn ihr eine Aktion planen wollt, findet ihr hier Infomaterial, Aktionsbausteine und regionale Ansprechpartner*innen der Initiative: lieferkettengesetz.de/mitmachen/

Ihr habt schon eine Idee? Dann schreibt dem Kampagnenbüro eine kurze Mail (info@lieferkettengesetz.de) und meldet euch gerne bei Fragen!

Die Vielfalt der Aktivitäten soll auch in sozialen Medien sichtbar werden. Macht Bilder eurer Aktion und postet/twittert sie mit dem Hashtag #Lieferkettengesetz. Markiert die @InitiativeLieferkettengesetz auch gern auf Facebook. Dann können wir eure Aktionsbilder teilen.

P.S.: In vielen Städten finden am 29.11. Demonstrationen für den Klimaschutz (Global Day of Action von Fridays for Future) statt. Bitte berücksichtigt das bei euren Überlegungen, ob der 29. oder 30.11. für eure Aktion besser passt. Vielleicht findet ihr eine Möglichkeit, nach oder am Rande der FFF-Demos auf die Forderung nach einem Lieferkettengesetz aufmerksam zu machen. Oder ihr wählt den 30.11. für eine Aktion, die eigene Aufmerksamkeit bekommen soll.

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Studie: Öko-Landbau unverzichtbar für UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

Wenn wir nachhaltige Ernährungssysteme für zukünftige Generationen gestalten und die vielen globalen Herausforderungen, einschließlich der Klimakrise, bewältigen wollen, ist es notwendig, dass die Regierungen Prinzipien und Praktiken des ökologischen Landbaus aufgreifen. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie aus den Niederlanden. Demnach hilft der ökologische Landbau entscheidend, um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu erreichen. Die deutsche Ausgabe der Studie wird ergänzt durch ein Zusatzkapitel der Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung aus München. Darin wird beleuchtet, wie über "Bio" hinaus weitere "Grundsätze für eine Nachhaltige Ernährung" den Beitrag zu den SDGs noch steigern können.

Der Report mit dem Titel "Ökologische Landwirtschaft und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung – Teil der Lösung" ist zum 4. Geburtstag der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung am 25. September 2019 in Europa, Asien und Nordamerika erschienen. Dieser berichtet über die positiven Zusammenhänge von ökologischer Landwirtschaft und der Unterstützung von 8 der 17 SDGs, wie Maßnahmen zum Klimaschutz, Biodiversitätsschutz, Hungerüberwindung und die Sicherung von sauberem Wasser für alle.

Das Hauptkapitel des Reports wurde von der Fa. Eosta beauftragt und von einem Studenten der University of Twente in den Niederlanden verfasst. Auf Grundlage von mehr als 50 wissenschaftlichen Studien, einschließlich mehrerer Studien von den Vereinten Nationen, kommt der Autor zu dem Schluss, dass Schritte in Richtung Bio zentral sein müssen, wenn die SDGs erreicht werden sollen. Damit haben wir eine Chance, die vielen schwerwiegenden globalen Herausforderungen zu meistern.

Zusammen mit einem breiten Zusammenschluss von Bio-Verbänden und -Firmen aus Europa sowie den USA, Kanada, Japan und Malaysia soll der Report dazu genutzt werden, nachhaltige bzw. ökologische Landwirtschaft auf der ganzen Welt zu fördern. Auch der ökologische Welt-Dachverband IFOAM unterstützt den Report. Darüber hinaus sollen Entscheidungsträger, Einzelhändler und die Zivilgesellschaft über die Notwendigkeit informiert werden, auf ökologische Landwirtschaft umzustellen.

Das Zusatzkapitel zur deutschen Fassung des Reports wurde von der Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung aus München erarbeitet: "Potenziale der ‚Grundsätze für eine Nachhaltige Ernährung‘ zur Unterstützung der SDGs". Die über "Bio" hinausgehenden Grundsätze sind: "Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel", "Fair gehandelte Lebensmittel", "Regionale und saisonale Erzeugnisse" sowie "Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel". Daraus ergeben sich vielfältige praktische Handlungsoptionen im Bereich von Bio-Landwirtschaft und -Verarbeitung, Fairem Handel, Regionalvermarktung und Naturkost, die zur Unterstützung aller SDGs beitragen. Einige Best-Practice-Beispiele von deutschen Öko-Betrieben runden den Report ab.

Die Ausarbeitung des Zusatzkapitels und der Best-Practice-Beispiele erfolgte im Rahmen des Projekts "Lebensmittel der Branchen Bio, Fairer Handel und Naturkost – Beiträge zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und Rückenwind von UN-Programmen für die Branchen".

Projektträger ist Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.

Unterstützer sind: Zukunftsstiftung Landwirtschaft | bodenhausen stiftung | Stiftung Familienglück | Bioland e.V. | Slow Food Deutschland e.V. | Forum Fairer Handel e.V. | Eco-Plus Handels und Service GmbH | Ökoring Handels GmbH | Eosta BV | Chiemgauer Naturkosthandel GmbH | Veganz GmbH | Amplia GmbH, Dr. med. Françoise Wilhelmi de Toledo.

Ökologische Landwirtschaft und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung | Download

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Gegen Gewinne ohne Gewissen

Die Bundesregierung muss deutsche Unternehmen gesetzlich zur weltweiten Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards verpflichten. Das fordert ein breites Bündnis aus 64 zivilgesellschaftlichen Organisationen anlässlich des siebten Jahrestages der verheerenden Brandkatastrophe in der Textilfabrik Ali Enterprises in Pakistan. Das Forum Fairer Handel ist im Trägerkreis der "Initiative Lieferkettengesetz".

Die heute vorgestellte „Initiative Lieferkettengesetz“ eint Gewerkschaften, Umwelt-, Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen, Vertreter des Fairen Handels sowie kirchliche Organisationen. Zum Auftakt der Kampagne erinnert die Initiative heute mit einer Aktion vor dem Reichstag an die Toten, die bei verschiedenen Unglücken bei Zulieferern deutscher Unternehmen ums Leben gekommen sind.

In einer Petition fordert das Bündnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel, bis 2020 ein Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen. Mit einem solchen Gesetz müssten Unternehmen geeignete Maßnahmen ergreifen, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in ihrem Geschäftsbereich zu vermeiden. Bei Schäden an Menschen und Umwelt könnten Unternehmen haftbar gemacht werden.

„Immer wieder gibt es Berichte von brennenden Fabriken, ausbeuterischer Kinderarbeit oder zerstörten Regenwäldern. Das zeigt: Freiwillig kommen deutsche Unternehmen ihrer Verantwortung nicht ausreichend nach. Die Bundesregierung muss endlich einen gesetzlichen Rahmen schaffen, damit Unternehmen Ausbeutung und Umweltzerstörung nicht weiter in Kauf nehmen”, sagt Johanna Kusch, Sprecherin der Initiative Lieferkettengesetz.

„Der Dammbruch der Eisenerzmine in der brasilianischen Gemeinde Brumadinho mit 272 Toten Anfang 2019 ist ein verheerendes Beispiel für Menschenrechtsverstöße im Rohstoff- und Energiesektor. Die schwere Mitverantwortung des deutschen TÜV Süd an dieser Katastrophe zeigt, dass Unternehmen Menschenrechte in ihren Auslandsgeschäften immer wieder missachten. Wirtschaft darf nicht töten, und zwar keinen einzigen Menschen. Ebenso müssen Opfer von Menschenrechtsverletzungen die Möglichkeit haben, Unternehmen gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen, wenn nötig auch vor deutschen Zivilgerichten“, fordert Pirmin Spiegel, MISEREOR-Hauptgeschäftsführer.

„Deutsche Supermarktketten tun im internationalen Vergleich besonders wenig für den Menschenrechtsschutz. Dabei verkaufen sie Produkte, für die Arbeiterinnen und Arbeiter mit Hungerlöhnen abgespeist und hochgiftigen Pestiziden ausgesetzt werden. Deutlich besser sind die Briten, unter anderem weil es dort ein Gesetz zu moderner Sklaverei gibt. Damit auch die deutschen Supermärkte echte Fortschritte machen, brauchen wir ein Lieferkettengesetz. Denn Leid und Ausbeutung dürfen keine Zutaten in unserem Essen sein“, betont Marion Lieser, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende von Oxfam Deutschland e.V.

Der Amazonas steht in Flammen und viele Betroffene vor Ort verlieren ihre Lebensgrundlage. Zahlreiche Brände werden gelegt, um Platz für Soja als Tierfutter für die deutsche Massentierhaltung zu schaffen. Dies ist nur einer von vielen Fällen, in denen Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen Hand in Hand gehen. Wir brauchen in Deutschland endlich ein Lieferkettengesetz, damit Unternehmen weltweit Umweltstandards und die Menschenrechte einhalten", fordert Ernst-Christoph Stolper, stellvertretender Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

„Wirtschaftlicher Wettbewerb auf Kosten der Umwelt und auf Kosten fundamentaler Arbeitnehmerrechte ist unlauterer Wettbewerb. Die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen sind nicht nur Menschenrechte und demokratische Grundprinzipien, sie sind vielmehr eine Grundvoraussetzung für menschenwürdige Arbeit und sozialen Fortschritt. Dem vorherrschenden globalen Geschäftsmodell des Umwelt- und Sozialdumpings muss Einhalt geboten werden. Ein Lieferkettengesetz wäre ein mutiger Beitrag dafür”, sagt Frank Zach aus dem Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition an die Bundeskanzlerin und fordern Sie mit uns ein Lieferkettengesetz zum Schutz von Menschen und Umwelt!

Petition unterschreiben

Weiterführende Informationen:

Website der "Initiative Lieferkettengesetz

Hintergrundpapier zur Initiative Lieferkettengesetz (PDF)

Fallbeispiele für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung im Geschäftsbereich deutscher Unternehmen

Die Initiative Lieferkettengesetz wird getragen von:
Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt-Landesnetzwerke in Deutschland e.V. (agl), Brot für die Welt, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Christliche Initiative Romero e.V. (CIR), CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Forum Fairer Handel e.V., Germanwatch e.V., Greenpeace e.V., INKOTA-netzwerk e.V., Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V., Oxfam Deutschland e.V., SÜDWIND e.V., ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung e.V., Weltladen-Dachverband e.V., Werkstatt Ökonomie

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#Klimastreik am 20. September: Fairer Handel macht mit!

Seit Monaten streiken Kinder und Jugendliche in der Bewegung #FridaysForFuture für den Klimaschutz. Mit ihren Protesten haben sie die Politik unter Zugzwang gesetzt. Am 20. September entscheidet die Bundesregierung über ihre nächsten Schritte in der Klimapolitik. Zeitgleich werden überall auf der Welt hunderttausende Menschen auf die Straßen gehen, um weiter für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Handelspartner im Fairen Handel von Klimawandel betroffen

Auch im Fairen Handel ist der Klimaschutz eine große Frage: Vor allem kleinbäuerliche Betriebe, wozu die Handelspartner des Fairen Handels meist gehören, leiden unter den veränderten klimatischen Bedingungen. Regen- und Erntezeiten verschieben sich oder bleiben ganz aus. Schädlinge und Pflanzenkrankheiten treten verstärkt auf und ziehen die Produktivität der Pflanzen in Mitleidenschaft. Kleinbäuer*innen und ihre Familien, die von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig sind, haben finanzielle Einbußen und ihre Existenz ist bedroht.

Der Faire Handel bemüht sich mit einem breiten Spektrum an konkreten Maßnahmen um ein klimaschonendes Wirtschaften und unterstützt Kleinbäuer*innen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Das Spektrum der Leistungen reicht von technischen Maßnahmen (z.B. Bereitstellung von klimaresilientem Saatgut) über Beratung (z.B. zu nachhaltigen Anbaumethoden) bis hin zu finanzieller Unterstützung (z.B. von Aufforstungsprojekten).

Forum Fairer Handel unterstützt #FridaysForFuture

Das Forum Fairer Handel und seine Mitglieder unterstützen den weltweiten Klimastreik und die Forderungen der Bewegung Fridays for Future:

  • GEPA – The Fair Trade Company hat im Mai das Positionspapier "#FairTradeForFuture – Gemeinsam für eine faire Zukunft" herausgegeben. Darin solidarisiert sich die GEPA ausdrücklich mit den Zielen der Bewegung #fridaysforfuture. Zum Positionspapier
  • Auch die WeltPartner unterstützen das Anliegen von Fridays for Future und legen am 20. September bereits zum dritten Mal die Arbeit nieder, um für mehr Klimagerechtigkeit auf die Straße zu gehen. Mehr Informationen zum WeltPartner-Klimaschutz
  • Naturland plant ebenfalls, sich den Demos anzuschließen und unterstützt die Forderungen der Bewegung Mehr Informationen
  • Der Weltladen-Dachverband hat bereits zum Weltladentag im Mai seine Mitglieder dazu aufgerufen, das Thema in ihren Aktionen aufzunehmen. Er unterstützt ebenfalls die Forderungen der Bewegung.

Wollen auch Sie den Klimastreik am 20. September unterstützen? Dann fordern Sie gemeinsam mit #FridaysForFuture "Klimaschutz jetzt!" und kommen Sie zur nächstgelegenen Demonstration!

Alle Informationen zum Klimastreik

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Gleiche Chancen durch Fairen Handel

Am 13. September geht es wieder los: Unter dem Motto "Gleiche Chancen durch Fairen Handel" macht die Faire Woche bis zum 27. September mit bundesweit zahlreichen Veranstaltungen auf den Fairen Handel aufmerksam. Diesmal dreht sich alles um das Schwerpunktthema "Geschlechtergerechtigkeit": Welchen Beitrag leisten Frauen zu einer nachhaltigen Entwicklung und welche Ansätze verfolgt der Faire Handel, um Mädchen und Frauen zu fördern?

Auch 2019 sind Vertreter*innen von Handelspartnern des Fairen Handels zu Gast in Deutschland – diesmal aus Ghana, Ruanda, Honduras und Mexiko. Die Gäste berichten aus erster Hand über ihre Arbeit und über die Wirkungen des Fairen Handels. Wo die Gäste unterwegs sind, erfahren Sie hier.

Machen Sie mit bei der Fairen Woche 2019!

Das Besondere an der Fairen Woche: Jede*r kann mitmachen! Noch ist es nicht zu spät, um eine eigene Veranstaltung anzubieten. Hier ein paar Tipps:

  1. Sie haben noch keine Idee für eine eigene Veranstaltung? Lassen Sie sich von den Aktionen aus den letzten Jahren inspirieren und schauen Sie in der Aktionsdatenbank vorbei.
  2. Tragen Sie Ihre Veranstaltung in den Veranstaltungskalender der Fairen Woche ein. Im Anschluss können Sie kostenfrei Materialien bestellen, die Sie für Ihre Veranstaltung nutzen können – inklusive Hintergrundinformationen zum Schwerpunkthema. Alternativ können Sie die Materialien hier herunterladen.
  3. Wir haben Ihnen Tipps für Ihre Veranstaltung zusammengestellt, zum Beispiel für Ihre Öffentlichkeitsarbeit

Über die Faire Woche

Seit mehr als 15 Jahren lädt die Faire Woche jeden September alle Menschen in Deutschland dazu ein, Veranstaltungen zum Fairen Handel in ihrer Region zu besuchen oder selbst zu organisieren. Mit jährlich über 2.000 Aktionen ist sie bundesweit die größte Aktionswoche des Fairen Handels.
Veranstalter der Fairen Woche ist das Forum Fairer Handel e.V.  in Kooperation mit TransFair e.V. und dem Weltladen-Dachverband e.V. – die Organisation der Aktionen vor Ort übernehmen Weltläden, lokale Aktionsgruppen, Schulen oder auch Privatpersonen.

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Weniger Demokratie wagen

Die EU-Handelsabkommen mit Japan, Singapur und Vietnam gehen den mit CETA eingeschlagenen Weg der Entmachtung der Parlamente durch "Ausschüsse" konsequent weiter

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Fairer Handel immer gefragter

Im Geschäftsjahr 2018 gaben die Verbraucher*innen in Deutschland 1,7 Milliarden Euro für Produkte aus Fairem Handel aus. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 15 Prozent. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Umsatz im Fairen Handel mehr als verdoppelt. "Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin geschätzte 99 Prozent des Handels nicht fair sind. Dieser geht noch viel zu häufig zu Lasten von Mensch und Umwelt", erklärt Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel. Das betrifft insbesondere Kleinbäuer*innen und deren Familien im Globalen Süden, aber auch die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland und Europa. 

Im Durchschnitt gaben die Verbraucher*innen in Deutschland in 2018 pro Kopf 20,50 Euro für faire Lebensmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus. Mit 1,36 Milliarden Euro trug das Fairtrade-Produktsiegel den größten Anteil zum Gesamtumsatz bei. Die anerkannten Fair-Handels-Unternehmen vertrieben im vergangenen Jahr fair gehandelte Waren im Wert von 209 Millionen Euro. Sie sind ausschließlich im Fairen Handel tätig und folgen mit ihrer Unternehmenspolitik seinen international definierten Grundsätzen. In den Weltläden, den Fachgeschäften des Fairen Handels, wurden Waren im Wert von 78 Millionen Euro verkauft.

Fairer Handel – auch im Norden eine Frage der Gerechtigkeit

"Auch hierzulande kämpfen angesichts des Preisdrucks, den die großen Einzelhandelskonzerne erzeugen, kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe um ihre Existenz", konstatiert Manuel Blendin. "Weil faire Preise und eine wirtschaftliche Perspektive keine Frage der Geografie, sondern der Gerechtigkeit sind, gewinnt der Faire Handel als Alter-native auch im Globalen Norden an Bedeutung", stellt Blendin fest. In 2018 wurden fair gehandelte land-wirtschaftliche Erzeugnisse aus Europa im Wert von 112,7 Millionen Euro verkauft. "Fairer Handel heißt für mich, von der Arbeit, die ich liebe, auch vernünftig leben zu können. Dazu gehört vor allem auch Planungssicherheit. Damit auch die nächste Generation eine Perspek-tive auf dem Hof hat", erklärt Jakob Sichler, Naturland Bauer. Er liefert seine Milch an die genossenschaftlich organisierte Molkerei Berchtesgadener Land und erhält dafür überdurchschnittliche Preise – denn seine Milch steht später mit dem Naturland Fair Zeichen im Kühlregal. Die Molkerei nimmt auch kleinen Bauernhöfen in entlegenen und schwer erreichbaren Bergregionen die Milch ab. Und sichert so den Fortbestand kleinbäuerlicher Landwirt-schaft in der Region.

Umsatzstärkstes Produkt mit ungewisser Zukunft: Der Kaffee

Mit einem Anteil von 32 Prozent ist Kaffee weiterhin das umsatzstärkste Produkt im Fairen Handel. Im Geschäftsjahr 2018 ist der Absatz von fairem Röstkaffee in Deutschland um neun Prozent gewachsen. Damit stammt jede zwanzigste Tasse Kaffee, die in Deutschland getrunken wird, aus Fairem Handel. Wie weit der Weg zu gerechten Handelsstrukturen dennoch ist, verdeutlicht die prekäre Situation der Kaffeebäuer*innen weltweit. Angesichts von Niedrig-preisen auf dem Weltmarkt können über die Hälfte von ihnen im konventionellen Handel nicht einmal ihre Produktionskosten decken. Die Situation für Kaffeebäuer* innen ist schon seit Jahrzehnten angespannt, hat sich im vergangenen Jahr jedoch noch einmal deutlich verschlechtert. Das hat zum einen mit den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu tun. Zum anderen sorgte ein weltweiter Produktionsanstieg – getrieben durch wachsende Erträge in Anbauländern wie Brasilien und Vietnam – für einen Verfall des Börsenpreises. Die Preisschwankungen werden durch Spekulationen auf den Kaffeepreis potenziert. Vor diesem Hintergrund geben immer mehr Produzent*innen den Kaffeeanbau auf und sehen Migration als einzigen Ausweg.

Während sich die Produzent*innen in einer existenziellen Krise befinden, streichen die großen Röster und Händler mit Kaffee stetig wachsende Gewinne ein", erklärt Manuel Blendin. Das ist leider keine neue Entwicklung: Die Studie "Kaffee: Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise" belegt, dass die Wertschöpfung bei Röstern und Händlern in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren um 139 Prozent stieg, während sie in den Produktionsländern um zehn Prozent gesunken ist. Diese Ungerechtigkeit kann nicht allein durch informierte Verbraucher*innen und deren Konsumverhalten gelöst werden. Systemische Probleme brau-chen politische Lösungen. "Deshalb setzen wir uns in Deutschland für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee ein", erklärt Manuel Blendin mit Blick auf die Bun-desregierung. Doch damit möglichst viele Kaffeebäuer*innen bessere Bedingungen erhalten, braucht es zudem übergreifende gesetzliche Regelungen.

Süße Frucht, bittere Realität: Die Banane

In punkto Absatz belegen weiterhin Bananen den ersten Platz im Fairen Handel. Mit rund 95.000 Tonnen haben sie in Deutschland einen Marktanteil von rund 14 % erreicht. Doch dieser positiven Entwicklung steht der harte Preiskampf entgegen, den sich die Lebensmitteleinzelhandels-Riesen um die Lieblingsfrucht der Deutschen liefern. Produzent*innen, die ihre Bananen zu Fairtrade-Konditionen oder an Fair-Handels-Unternehmen wie BanaFair verkaufen, profitieren von besseren Preisen und verlässlichen Handelspartnerschaften. Für die Mehrheit der Bananenbäuer*innen und Plantagenarbeiter*innen sind Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen jedoch an der Tagesordnung. Laut Oxfam Deutschland ist der Einfuhrpreis von Bananen in Deutschland zwischen 2015 und 2018 um 20 Prozent gefallen. Auf der anderen Seite sind die Produktionskosten in Lateinamerika im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen. Auch der Rückzieher der Discounterkette Lidl, ihre Bananen auf 100 % Fairtrade umzustellen, verdeutlicht: Freiwillige Initiativen von Unternehmen reichen alleine nicht aus, um faire Handelsbedingungen herzustellen.

"Aus diesem Grund fordern wir eine gesetzliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für deutsche Unternehmen entlang ihrer Lieferketten. Sie müssen dafür Verantwortung übernehmen, dass ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden und deren Erzeuger*innen von ihrem Einkommen oder Lohn ein menschenwürdiges Leben füh-ren können", erklärt Manuel Blendin. "Wer dies nicht tut, muss im Schadensfall von den Be-troffenen haftbar gemacht werden können", ergänzt Blendin.

Weitere Informationen

Broschüre "Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2019" | Download Langfassung
Broschüre "Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2019" | Download Kurzfassung

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